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Jedem dürften sie wohl bekannt sein: die diabolischen roten Augen, welche oftmals beim Einsatz des integrierten Blitzlichts entstehen. Verantwortlich dafür sind die weit geöffneten Pupillen – es ist ja etwas dunkler, weshalb der Blitz überhaupt eingesetzt werden muss – durch die das intensive Blitzlicht ungehindert auf die (gut durchblutete) Netzhaut einstrahlen kann, welche es dann ihrerseits rot zurückreflektiert. Dem zugute kommt, dass der eingebaute Blitz in nahezu einer Linie mit dem Objektiv angeordnet ist, wodurch das Blitzlicht ungehindert wie beschrieben einfallen kann; Profis verwenden hier externe Blitze, die versetzt zur optischen Achse angebracht sind oder gehalten werden. Zur Vermeidung haben sich die Hersteller von Kompaktkameras einige präventive Maßnahmen einfallen lassen, wie beispielsweise einem Vorblitz, dessen Lichteinwirkung die Pupillen für die Aufnahme weiter schließt, oder auch einfach nur eine kleine Lampe, welche dieselbe Reaktion beim Auge vor der eigentlichen Aufnahme auslösen soll (diese Variante findet sich beispielsweise bei der PowerShot S10, bei der die rote Lampe für die Entfernungsmessung zum reagieren lassen der Pupillen »missbraucht« wird; meiner Erfahrung nach nicht sonderlich effektiv).
Ist der unerwünschte Effekt dennoch aufgetreten, gab es in der analogen Fotografie einen speziellen Stift, mit dem man auf den Fotoabzügen die roten Augen einfach wegretuschieren konnte. In der digitalen Fotografie bzw. Bildbearbeitung ist das wesentlich einfacher. In einer vergrößerten Ansicht wählt man den roten Bereich aus (ist ggf. größer als die Pupille). Das geht am einfachsten mit der elliptischen Auswahl. Man kann auch die Freie Auswahl oder den Zauberstab benutzen (alle jeweils im Menü Werkzeuge::Auswahlwerkzeuge); für letzteren müsste ein Schwellwert zwischen 15 und 50 ausreichend sein. Den so ausgewählten Bereich wandelt man nun in Graustufen um und dunkelt des Resultat etwas ab. Leider gibt es für die Umwandlung einzelner Bildbereiche in Grauwerte keinen eigenen Menüpunkt, so dass man einen kleinen Umweg gehen muss: Strg-C kopiert die aktuelle Auswahl mit der roten Pupille; Strg-N öffnet ein neues leeres RGB-Bild (mit den Maßen der Auswahl); mit Strg-V wird die Auswahl in dieses neue Bild eingefügt; mit dem Menüpunt Bild::Modus::Graustufen wandelt man das Bild in Graustufen (wichtig: Auswahl nicht deselektieren); Strg-C kopiert die graue Auswahl zurück in die Zwischenablage; im ursprünglichen Bild dann Strg-V zum Einfügen der grauen Pupille drücken (wichtig auch hier: Auswahl im ursprünglichen Bild nicht deselektieren, da durch das Einfügen die alte Auswahl direkt mit der grauen Kopie aus der Zwischenablage überschrieben werden soll). Schließlich dunkelt man mittels der Gradationskurve (Menüpunkt Bild::Farben::Kurven) die Pupille etwas ab (Kurventyp »weich« und Werte um X:140 und Y:110 verwenden). Durch die Tastaturkürzel und das Beibehalten der jeweiligen Auswahl ist der Vorgang innerhalb weniger Sekunden durchgeführt. Die beiden Ausschnitte oben stellen die typische Vorher-/Nachher-Kombination dar.
Nicht ganz so einfach ist die Retusche bei Tieren, wie beispielsweise Kaninchen, welche unter Umständen je nach Exemplar sogar noch von Natur aus rote Augen haben. Hinzu kommt bei den kleinen Nagern die auf die Dämmerung optimierte Sehweise. Sie hat eine relativ große Pupille zur Folge, welche sich außerdem nur im beschränkten Maße verändern kann. Die Iris fällt somit im Verhältnis schmaler aus; das Weiße wird nur bei vor Angst weit aufgerissenen Augen sichtbar. In der Überwiegenden Zahl aller Fälle haben Kaninchen also die klassischen, großen dunklen Knopfaugen.
Die obere der beiden Abbildungen zeigt den Rote-Augen-Effekt im Extrem: die Iris ist so gut wie nicht mehr sichtbar; durch die weit geöffnete Pupille (es herrscht Dämmerung, welche das Blitzlicht erforderlich macht) wird die durchblutete Netzhaut extrem sichtbar. Die zuvor für das menschliche Auge beschriebene Vorgehensweise liefert hier keine sonderlich zufriedenstellenden Resultate, weil bei der Abdunklung der in Grautöne umgewandelten Pupille die eh schon nur
schwach auszumachende Reflexion (Glanzlicht) gänzlich verlorengeht und das Auge damit unnatürlich wirkt. Deshalb wende ich in solchen Fällen ein anderes Vorgehen an: der rote Bereich wird wie oben beschrieben markiert. Auf die so entstandene Auswahl wende ich das Werkzeug Farbverlauf mit nebenstehenden Einstellungen an, was im Wesentlichen der konkrete Farbverlauf Dark_1, dessen Umkehrung sowie die kreisförmige Form ist. Das Verlaufswerkzeug wird dabei vom Glanzlicht bis zum am weitesten entfernten Rand der Auswahl angewendet. Abschließend fahre ich, nachdem die Auswahl aufgehoben wurde, mit dem Verschmieren-Werkzeug (Menü Werkzeuge::Mal- werkzeuge::Verschmieren) unter Verwendung eines fuzzy circle Pinsels einmal um die neu entstandene Pupille (in obiger Abbildung habe ich den 3 × 3 Punkte großen Pinsel verwendet). Das so entstandene Auge hat zwar nicht mehr ganz die natürlichen Reflexionen wie beim Vorgehen beim menschlichen Auge, liefert aber aufgrund der runden Tieraugen dennoch recht ansprechende Ergebnisse.
Diese Anleitung wurde unter Verwendung von GIMP 2.0.1 erstellt bzw. bezieht sich auf dieselbige Programmversion.
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