Einige Programme aus der Riege der Bildbearbeiter (z.B. Ulead PhotoImpact oder PhotoPaint von Corel) haben in ihrem Repertoire der sogenannten Kreativfilter eine Funktion namens Vignette, welche ich recht nützlich und ansprechend finde (vgl. nebenstehende Abbildung). Warum man diese Funktion in GIMP (oder auch Photoshop) vergeblich sucht, liegt wahrscheinlich daran, dass man ihren Effekt ganz leicht mit Standardfunktionen erzeugen kann.
Das Vorgehen ist relativ einfach: Man legt in einem neuen Bild zwei Ebenen an, wobei die Hintergrundebene komplett weiß eingefärbt wird und das Motiv in die erste darüberliegende Ebene kopiert wird. Dann markiert man um das Objekt mit der elliptischen Auswahl den gewünschten Rahmen. Dabei sollte man auf etwas Abstand sowohl zwischen dem Objekt und der Auswahl als auch zwischen der Auswahl und der Bildbegrenzung achten (vgl. Abbildung unten). Mit Hilfe des Kontextmenüs der Motiv-Ebene fügt man dieser nun eine Ebenenmaske mit der Option Schwarz (Volle Transparenz) hinzu (im Ebenendialog mit der rechten Maustaste auf die Motiv-Ebene klicken und entsprechenden Menüpunkt aufrufen). Beim Motiv scheint nun an all den Stellen die darunterliegende Ebene durch (hier also der weiße Hintergrund), an denen die Ebenenmaske schwarz ist – also in dem Fall überall, womit das Motiv nicht mehr sichtbar ist. Allerdings ist die Auswahl ja noch aktiv, so dass einfach mit Strg-X der Inhalt der ovalen Auswahl gelöscht werden kann; darauf achten, dass im Werkzeugkasten als Hintergrundfarbe weiß angewählt ist und außerdem die Ebenenmaske im Ebenendialog aktiv ist. Man erhält unten abgebildetes Resultat, in welchem das Motiv in einem ovalen weißen Passepartout Rahmen eingefasst ist.

Der langsam verblassende Übergang vom Motiv bis hin zum weißen Rahmen wird schließlich dadurch erreicht, dass man auf die Ebenenmaske alternativ einen der beiden Gaußschen Weichzeichner anwendet (Menü Filter::Weichzeichnen::Gaußscher Weichzeichner IIR/RLE). Der anzugebende Weichzeichnerradius bestimmt die Breite des Rands, innerhalb dessen das Motiv immer durchsichtiger wird. Man sollte bei der Wahl des Radius und des ovalen Auswahlbereichs (vgl. oben) bedenken, dass sich der Radius zur Hälfte auf den schwarzen und zur Hälfte auf den weißen Bereich der Ebenenmaske auswirkt (ist insbesondere für die Sichtbarkeit des Motiv und das Zuschneiden des kompletten Bildes relevant). D.h. der in obiger Abbildung gewählte Wert von 30 für den Weichzeichnerradius wirkt sicht mit 15 Punkte auf den schwarzen Bereich und mit 15 Punkten auf den weißen Bereich aus.

Hinweise: Die Form der Ebenenmaske muss nicht zwangsläufig oval sein; man kann natürlich auch jede andere Form verwenden.
Soll der Rahmen um das Bild nicht wie hier gezeigt weiß, sondern in einer anderen Farbe (beispielsweise schwarz) angelegt sein, so muss nur die Hintergrundebene entsprechend eingefärbt werden.
Für den Fall, dass man mehrere gleich große Bilder mit einer Vignette versehen möchte, empfiehlt es sich eine Musterdatei mit einer leeren Motiv-Ebene in der gewünschten Größe und mit der gewünschten Ebenenmaske abzuspeichern. Jetzt muss man jedesmal nur noch das Motiv in die dafür vorgesehene Ebene kopieren und ist fertig.

Diese Anleitung wurde unter Verwendung von GIMP 2.0.1 erstellt bzw. bezieht sich auf dieselbige Programmversion.