|
 |
 |
Genervt von dem lauten Prozessorlüfter hatte ich mir kürzlich ein neues, leiseres Kühlungsaggregat besorgt. Beim sich anschließenden Einbau habe ich ganz spontan beschlossen, auch dem optischen Wildwuchs der Kabel und dem provisorisch angebrachten Gitter zum Schutz der Leitungen vor meinem Kaninchen ein Ende zu bereiten – der Computer sollte in einem Schrank verbaut werden.
Eingefleischte case modder¹ (vgl. Anmerkung unten) würden bei der folgenden Konstruktion sicherlich nur müde lächeln, da doch das ursprüngliche Gehäuse im Großen und Ganzen weiterverwendet wurde und sich der Ausbau der Hardware-Komponenten auf ein absolutes Mindestmaß (Schalter und Zustandslämpchen) beschränkt. Man hätte sich auch vorstellen können, dass man die Hauptplatine (das sogenannte motherboard) und die übrigen Komponenten fest im Schrank verschraubt. Im Gegensatz zu den richtigen case moddern mit ihren portablen Geräten, hätte ich aber das Problem gehabt, bei einem schnellen Ortswechsel der Maschine, den kompletten Schrank ausbauen zu müssen.
Kurzum, rein optisch gesehen hat mein Rechner nach meinem Fürhalten allemal ein neues Kleid bekommen, womit ich mir den Begriff des case modding light nicht absprechen möchte
Prinzipiell spricht dem Kompletteinbau eines Rechners in einen Schrank nur entgegen, dass Disketten- und DVD/CD-Laufwerke noch von außen zugänglich sein müssen. Gleiches gilt für den Ein-/Ausschalter und die Kontrollleuchten. Des weiteren benötigt man eine Abzugsmöglichkeit für die warme Luft, die während des Rechnerbetriebes entsteht. Letzteres bereitete mir wenig Schwierigkeiten, da meine »Schrankwand« gute 6 cm von der Wand entfernt steht und in dem für den Computer vorgesehen Bereich keine Rückwand hat; thermische Probleme dürften also keine auftreten. Zumal wenn man noch berücksichtigt, dass ich sämtliche Gehäuseverkleidungen entfernt habe. (Habe das ganze natürlich ausgiebig anhand der vom System angezeigten Temperatur für Prozessor und Gehäuse überprüft.)

Abbildung 1.
Wie schon erwähnt wurden alle Anbeiteile des ursprünglichen Computer-Gehäuses entfernt. Als Fassade für den Schrank wurde eine Tür aus dem Regalsystem »Björn« von OBI besorgt (da der Rest des Schranks aus diesem System besteht). Glücklicherweise stehen die Laufwerke bei meinem Gehäuse mehr als die Dicke der Tür über den Rahmen des Computer heraus, so dass ich an deren Befestigung nichts ändern musste. Mit einer Stichsäge wurde die Tür auf die Höhe des Faches gekürzt. Entsprechend musste mit einem passenden Forstnerbohrer eine neue Vertiefung für das Scharnier gebort werden (darauf achten, dass sie passend zu der Lochung im Rahmen gebohrt wird). Nachdem die Tür provisorisch eingebaut und der Computer im Schrank positioniert war, wurden mit einem Bleistift die Maße für die Aussparung der Laufwerke auf die Innenseite der Tür übertragen. Für eine exakte Anzeichnung des aus der Tür auszusägenden Bereiches habe ich die zurvor entfernte Frontverkleidung des Computer-Gehäuses gemäß den Markierungen umgekehrt auf die Tür gelegt und die Aussparung nachgezeichnet. Schließlich wurde die Aussparung mit einer Stichsäge ausgesägt (Tür vorher ausbauen und Scharniere am besten wieder entfernen). Um in das Material einzutauchen, wurde jeweils an den vier Ecken mit einem Bohrer (Druchmesser größer als die Sägeblattbreite) ein Loch gebohrt (darauf achten, dass beim Ansetzen des Bohrers dessen Außenkante nicht den angezeichneten Bereich verlässt). Die Kanten wurden mit einer Raspel und Schmirgelpapier geglättet.

Abbildung 2.
Fehlen noch die Lämpchen und der Schalter. Die Dioden für den Betriebszustand der Festplatte und des Gerätes an sich waren nur in den Computerrahmen geklipst und konnten somit aus diesem leicht entfernt werden. Die Kabel hatten eine ausreichende Länge, so dass sie wie in Abbildung 1 zu sehen durch den Rahmen hindurch geführt und an der Tür befestigt werden konnten (das war auch der Grund, warum der Computer näher auf der Seite der Scharniere positioniert wurde, so dass bei geöffneter Tür die Dioden in ihrer Halterung verbleiben konnten). Gemäß dem Lämpchendurchmesser wurden zwei Löcher in die Tür gebohrt. Von der Front wurde mit einem »Versenker« eine leichte Schräge in diese reingefräst; von der Innenseite her wurde damit so lange gebohrt, bis sich die Diode so weit reinschieben ließ, dass sie auf der Front bündig abschließt (vgl. Abbildung 2; man beachte, dass die Dioden an ihrem Ende einen etwas breiteren Rand haben, so dass sie nicht ganz in das vorgebohrte Loch hätten reingeschoben werden können).

Abbildung 3.
Das Vorgehen für den Ein-/Ausschalter ist analog (den Resetknopf benutze ich eh fast nie; daher ist er im Rahmen verblieben, kann aber bei geöffneter Tür weiterhin betätigt werden). Aufgrund seiner rechteckigen Form muss hier allerdings das runde Bohrloch mit einer Feile entsprechend ausgeweitet werden. Um das versehentliche Betätigen des Spannungsschalters zu vermeiden (beispielsweise mit dem Knie) habe ich zwei Drahtbügel angebracht (1,6 mm ø; überzogen mit schwarzem Schrumpfschlauch; vgl. Abbildung 3).
Abbildung 4.

Abbildung 5.
Soweit das Gehäuse. Wenden wir uns nun der Peripherie zu: Monitor, Lautsprecher, Tastatur und Maus. Die Maus ist recht einfach abgehandelt: mit ihr passiert nicht viel. Da ich vorzugsweise einen Trackball verwende, gilt es hier nur das unschöne Kabel möglichst elegant zu verlegen. Das Zeigegerät habe ich ganz nah rechts neben der Tastatur gemäß meiner präferierten Arbeitsposition angeordnet, so dass ich das Kabel zusammen mit dem der Tastatur durch die Tischplatte hindurch nach unten wegführen kann (vgl. Abbildung 4). Die Tastatur selbst soll in die Tischplatte eingelassen werden. Dazu habe ich die Kontur der Tastatur an der vorgesehenen Stelle auf den Tisch gezeichnet und dann entsprechend die Aussparung mit einer Stichsäge ausgesägt. Da die Dicke der Tischplatte genau der der Tastatur entsprach (teilweise sogar dicker war), hatte es ausgereicht, von unten eine kleine Holzplatte anzubringen. In die so entstandene Senke kam zur Dämmung eine dünne Schaumstoffmatte. Um den keilförmigen Bau der Tastatur auszugleichen, wurde vorne, wo die Tastatur flacher ist, zusätzlich eine kleine Holzleiste eingelegt – die Tastatur sollte mit ihrem Gehäuse absolut plan mit der Tischplatte abschließen, so dass nur die Tasten überstehen (vgl. Abbildung 4). Obendrauf kam nun die Tastatur. Zur Durchführung der Kabel muss man ein Loch mit einem Durchmesser größer als dem der Maus-/Tastaturstecker bohren (vgl. Abbildung 5).

Abbildung 6.
Für Monitor und Lautsprecher schwebte mir eine senkrecht zur Arbeitsplatte stehende Fläche vor, in welche die Elemente ebenfalls plan eingepasst sind (vgl. letztendlich die Gesamtansicht). Dazu habe ich mir eine entsprechend große Holzplatte besorgt, und analog zu Vorgehensweise mit der Tastatur die Kontur aufgezeichnet und anschließend ausgesägt. Die Holzplatte habe ich dann mit Eisenwinkeln auf der Schreibtischplatte verschraubt (vgl. Abbildung 6, aufgenommen von oben). Zur zusätzlichen Stabilisierung wurde die Platte am oberen Ende mit einem Metallband rechts an der naheliegenden Wand verschraubt. Die beiden Stereolautsprecherboxen wurden mit Powerstrips auf kleine Winkel geklebt, welche direkt an der dafür vorgesehenen Aussparung an die Platte geschraubt wurden. Der Subwoofer fand noch bequem auf dem Schreibtisch hinter der Platte seinen Platz. Das Stellrad zur Regulierung der Lautstärke wurde auf der Unterseite der Tischplatte (an der Tischkante, quasi auf der gegenüberliegenden Seite des Tracksballs) angebracht (vgl. Abbildung 5, unterer Bildrand). Aufgrund dessen Form lässt es sich da bequem erreichen und bedienen, stört aber durch die verdeckte Anbringung das optisch »aufgeräumte« Bild der Arbeitsfläche nicht.
Von dem Flachbilschirm habe ich einfach den Standfuß abgeschraubt und die ganze Leuchtfläche samt Rahmen in die dafür vorgesehene Aussparung der Platte eingesetzt. Da das Sägen der Aussparung relativ exakt verlaufen war, saß der Monitor nach dem Einfügen so satt, dass er nicht zusätzlich fixiert werden musste (ich musste ihn regelrecht in die Aussparung reinpressen). Damit an einigen unsauber gesägten Stellen das Licht von dem hinter der Platte befindlichen Fenster nicht durch die Ritzen zwischen Monitor und Platte fällt, habe ich die Fugen von hinten mit schwarzem Klebeband abgedeckt (siehe Abbildung 6).

¹ Der Begriff case modding ist aus dem englischen case (Kiste, Behälter, Verkleidung, Einfassung) und model (modellieren, nachbilden, formen, gestalten) abgeleitet. Beim echten case modding werden Hauptplatine, Festplatten, Laufwerke & Co. komplett aus dem ursprünglichen Gehäuse ausgebaut und in ein neues Behältnis eingebaut (z.B. eine Bierkiste, in der neben dem Computer auch noch 6 Bierflaschen Platz haben und durch den Gehäuselüfter gekühlt werden). Wichtig dabei ist, dass der Computer auch nach dem Einbau noch voll funktionstüchtig bleibt.
|
|