Eigentümerin: Sabrina Rütschlin
geboren: März 2002 in Weil (Kreis Konstanz)
Tag der Übernahme: 25. Dezember 2002
erworben von: (Geschenk von Bekannten)
gestorben: 13. August 2006
Rasse: Deutscher Riesenschecke
Farbe: weiß
kastriert: ja
Gewicht (Durchschnitt): 4,5 kg

Karl kam als typischer Schlachthase auf einem Dorf bei den Eltern meines damaligen Freundes zur Welt. Die Kaninchen wurden dort unter katastrophalen Umständen gehalten (hätten diese Leute die Kaninchenhaltung nicht aufgegeben, hätte ich ihnen den Amtstierarzt auf den Hals gehetzt!). Vermutlich hätte ihn das gleiche Schicksal ereilt wie seine Verwandten, wäre Karl nicht ein sehr aufgeweckter Schleimer gewesen und noch dazu sehr hübsch. Während die anderen Kaninchen sich angstvoll in die Ecke des Käfigs drückten, kam Karl sofort angehoppelt und sah sich nach essbarem um. Bei einem Grillfest im Sommer wurde dann beschlossen, dass dieses Kaninchen ausnahmsweise einen Namen bekommen sollte und so einigte man sich auf Karl. Aufgrund seiner späteren Starallüren kam der Zusatz „vom Wilberg“ hinzu, da sein Stall eben unter diesem Berg stand. Es ging also auf den Winter zu, Schlachtzeit für alle verbliebenen Hasen, da es der Hausherrin zu anstrengend war, die Kaninchen über den Winter zu versorgen. In meinen Augen war es ihr allgemein zu anstrengend, aber dazu äußere ich mich besser nicht mehr (siehe oben). Als ich nun hörte, dass auch Karl in den Kochtopf, besser in die Tiefkühltruhe wandern sollte, heulte ich Rotz und Wasser. Mit Erfolg, denn Karl durfte umziehen. Er war mein Weihnachtsgeschenk. Sehr zur Begeisterung meiner Eltern. Gelinde ausgedrückt waren sie stinksauer. Aber da ich eine eigene Wohnung hatte und schließlich auch volljährig war, konnten sie nichts dagegen sagen.
Am ersten Weihnachtsfeiertag holte ich Karl aus seinem Gefängnis und bald darauf durfte er in meiner Wohnung einziehen. Anfangs war er ein sehr verstörtes Kaninchen. Kein Wunder wenn man seine Herkunft bedenkt, aber bald entwickelte er sich zum Herrn im Haus. Als allererstes gestaltete er nach und nach die Wohnung nach seinen Vorstellungen um. So flogen die Bücher aus dem untersten Regalfach einfach raus, weil er sich dort ein Schlafplätzchen einrichten wollte. Ebenso beschlagnahmte er einen Stuhl am Esstisch für seine mittäglichen Nickerchen. Als eine meiner Freundinnen zu Besuch war und eben auf diesem Stuhl saß, zwickte er sie solange in die Beine, bis sie sich entnervt einen anderen Platz suchte. Dann war Ruhe. Schließlich hatte er hier das sagen. Allerdings war er auch der Meinung, dass ich seine Auserwählte sei und sein Geschlechtstrieb war dann doch etwas zu viel für mich. Von einem äußerst potenten Rammler in der eigenen Wohnung verfolgt zu werden und mit „zarten“ Bissen ins Bein bedacht zu werden, ging nun wirklich zu weit. Also wurde er kastriert. Was aber nicht bedeutete, dass er sein Verhalten änderte oder seine Gewohnheiten ablegte. Nur das „Angerammel“ vergaß er schlichtweg.

Nach einem halben Jahr etwa bekam er die erste Kolik. Für Kaninchen kann so was lebensbedrohlich sein. Bei der Tierärztin bekam er Medikamente und bald ging es ihm besser. Ich dachte, die Sache sei somit ausgestanden. Leider bekam er die Koliken immer wieder, mit der Zeit wurden die Abstände zwischen den einzelnen Koliken auch immer kürzer. Das machte ihn zu einer tickenden Zeitbombe. Meistens suchte er sich ganz schlechte Zeitpunkte dafür aus (eine Woche vor meinem Staatsexamen oder nachts vor einer wichtigen Prüfung). Es wurde unter Freunden schon gewitzelt, dass der Hase unter Prüfungsangst leiden würde. Die Tierärztin konnte keine Ursache finden und machte recht schnell deutlich, dass wenn die Medikamente nicht mehr helfen würden, man nichts für ihn tun könne. Heute denke ich, dass Karl an einem Colon Carzinom verstorben ist.


Aber wenn er nicht gerade Bauchweh hatte, war Karl manchmal eine richtige Plage. Er war hyperaktiv und seine Lieblingsbeschäftigung bestand darin, Dinge zu zerstören oder sonstigen Blödsinn anzustellen. Aufgrund seiner Größe konnte er überall leicht hinaufgelangen. So saß er ab und an auf dem Klodeckel wenn ich abends Zähne putzte. Das folgende Ereignis konnte nicht mal ich vorhersehen: Ich war mal wieder am Bad putzen, hatte bereits die Klobrille hochgeklappt und war nach nebenan gegangen um den Reiniger zu holen. Als ich wieder ins Bad kam, sah ich ein wild strampelndes Kaninchen in der Toilette stecken. Ich bekam erstmal einen Lachkrampf, wie Karl immer wieder mit dem Hintern in den Tiefspüler rutschte, weil seine Pfoten an der glatten Wand keinen Halt fanden. Schnell schnappte ich ein Handtuch und befreite immer noch lachend meinen triefnassen, sehr beleidigten Rammler. Karl wollte mich wohl beim Putzen beaufsichtigen und war in alter Manier auf den Klodeckel gesprungen, allerdings war der diesmal offen.

Ein anderes Mal musste ich feststellen dass Karl sich sehr leicht selber aus dem Käfig lassen konnte. Wir (Karl und ich) waren zu Besuch bei meinem damaligen Freund, der sehr viel wert auf seine Grünpflanzen legte. Sein ganzer Stolz war eine, wie ich fand, etwas mickrige Palme. Als wir nachmittags unterwegs waren, war Karl natürlich langweilig im Käfig und so befreite er sich selber und erkundete die Wohnung. Bei unserer Rückkehr war erstmal der Schreck groß: Käfig leer und kein Karl zu sehen. Dafür aber mitten in der Wohnung eine total zerfledderte Palme inmitten von Dreck. Irgendwo saß dann auch ein sehr dreckiger Karl und verfolgte die Szene gespannt. Mein damaliger Freund war kurz vorm Ausrasten und man hatte das Gefühl, dass Karl hingegen sehr zufrieden mit sich war. So bekam der Käfig erstmal ein Vorhängeschloss bis ein neuer ausbruchssicherer Käfig gekauft wurde.


Karl scherte sich auch nicht sonderlich um irgendwelche Verbote. So schlich er sich immer ins Bett, wenn er sicher war, dass ich ihn nicht bemerken würde. Manchmal stellte er sich dabei auch recht ungeschickt an, indem er einem mitten ins Gesicht sprang. Aber auch Besuch, der auch dem Schlafsofa übernachtete, wurde von seinen Besuchen nicht verschont. So übernachtete mal ein sehr guter Freund von mir hier. Eine ziemliche Schlafmütze ab und an, der gerne lange schlief. Ich war schon länger auf, hatte bereits die Hasen gefüttert und Karl war in der Wohnung unterwegs. Mit einem Satz sprang er aufs Schlafsofa. Mein Besuch bemerkte ihn wohl nicht. Blitzschnell drehte sich Karl um und pinkelte (!) meinem Besuch direkt neben das Gesicht und auch der Ellenbogen bekam was ab. Aber wer jetzt gedacht hat, mein Kumpel würde schreiend aufspringen und den Hasen verfluchen, nein, der pennte weiter! So verdrückte sich Karl in aller Seelenruhe. Sollte die Aktion etwa so viel heißen wie: „Verpiss dich!“?

Karl war ansonsten zu jedem freundlich oder zumindest distanziert. Richtig gebissen hat er nicht mal mich. Angemeckert wurde man allerdings dauernd, wenn irgendetwas nicht zu seiner Zufriedenheit war (oder morgens schepperte er lautstark mit dem Alunapf gegen das Gitter wenn er Hunger hatte). Auf meinen Vater hatte er es allerdings abgesehen. Aus irgendwelchen Gründen ging er auf ihn los und biss ihn. Schließlich versuchte mein Vater ihn mit Löwenzahn zu bestechen. Den nahm er auch freundlich und als er das Schnäuzchen leer hatte, biss er wütend zu.


Mit der Zeit lernte er auch, angelehnte Türen aufzuziehen und sogar den Kühlschrank, der bei mir bis auf den Boden geht, zu öffnen. Vor Karl war also nichts sicher. Nach meinem Staatsexamen bekam er eine kleine Widderhäsin als Gesellschaft (siehe Bericht Mika) und ich hoffte, ihr ruhiges Wesen, würde meinen wilden Hasen etwas bremsen. Aber weit gefehlt. Von da an zogen sie im Doppelpack durch meine Wohnung und machten Unsinn, wobei Karl immer für die Ideen und Mika für die behilfliche Ausführung verantwortlich war.

Karl wollte immer beschäftigt werden. Hatte ich dazu keine Zeit, verschaffte er sich die Beschäftigung selber. Meinen CD-Ständer auszuräumen, die Wäsche zum Wäscheständer abzuhängen oder Bücher aus dem Regal zu holen und anzufressen, waren nur einige wenige seiner Zeitvertreibe. Meistens war er auf der Suche nach etwas zu essen. Wild war er auf Gummibärchen und Tropi Frutti. Gemütlich saß ich einen Abend vorm Fernseher, auf dem Couchtisch ein Schälchen mit Gummibärchen. Als ich wieder mit der Hand in die Schale griff, hatte ich plötzlich Fell in der Hand. Genauer gesagt das Schnäuzchen von Karl, der mich mit vollem Maul ertappt anschaute und nicht wagte zu kauen. Hatte der freche Kerl sich die ganze Zeit an den Gummibärchen bedient! Nicht grade die Sorte Futter, die gesund für Kaninchen ist.


In den Sommermonaten wollte ich Karl natürlich auch Frischluft zukommen lassen und so baute ich oben an meiner Treppe vorm Haus ein Gitter, denn da ich in einer Einliegerwohnung wohne, bildeten die Holzbohlen rechts und links des Treppenabgangs eine natürliche Barriere. Musste man also nur noch oben an der Treppe etwas anbringen. Auch hier hatte ich wieder nicht mit Karl dem Ausbrecherkönig gerechnet. Ich stand auf der Strasse, gemütlich schwätzend mit der Nachbarin, da stupste mir jemand ans Bein. Hinter mir saß Karl, der den Zaun niedergemäht und 'ne Runde Unkraut auf der Zufahrt beseitigt hatte. Dann kam also ein stabiler Holzzaun, den ich zweimal erhöhen musste, damit Karl nicht mehr darüber springen konnte. Naja, ich kam danach auch fast nicht mehr drüber. – Karl war also alles andere als ein ruhiges gemütliches Kaninchen. Alle seine Streiche aufzuzählen würde hier mehr als den Rahmen sprengen.


Manchmal war Karl sehr anstrengend, aber ich wollte ihn gegen nichts in der Welt eintauschen. Allerdings waren da immer wieder seine Koliken und die große Sorge um seine Gesundheit. Ich probierte mit Futtersorten, verschiedenem Heu und Frischfutter. Irgendwann hatte ich das Gefühl, das mit den Koliken sei besser geworden. Aber dann hatte er ab und an einen Tag lang Durchfall. Obwohl er kaum Grünfutter bekam. Da er aber recht fit und fröhlich wirkte und die Sache nach einem Tag jeweils vorbei war, machte ich mir keine großen Gedanken. Ich wusste damals ja nicht, dass das wohl der Anfang vom Ende war.

Am Abend des 12. August 2006 kam ich nach Hause und sah, dass mein Karl wohl wieder Bauchweh hatte. Geübt spritze ich ihm seine Medikamente und wartete auf Besserung. Als nichts geschah, bekam er noch mal etwas von dem Schmerzmittel. Mittlerweile war es Nacht. Karl ging es immer noch nicht besser. Aber ich hatte ihn schon in schlechterer Verfassung gesehen und die Tierärztin hätte in dem Moment auch nichts weiter tun können. Also bekam er noch mal ein Schmerzmittel und ich ging ins Bett mit dem Plan, am nächsten Morgen zum Tierarzt zu fahren. Kurz nach 5 Uhr wachte ich besorgt auf. Karl lag da bereits bewusstlos im Käfig. Versuche einen Tierarzt zu erreichen blieben erfolglos und so starb Karl gegen 5:40 Uhr am 13.August 2006 während ich ihn streichelte. Er wurde nur 4,5 Jahre alt. Ich begrub ihn am gleichen Tag im Garten von meinen Eltern.

Der quirlige und intelligente Rammler hätte es verdient gehabt, noch ein paar Jahre fröhlich rumspringen zu dürfen. Er hinterlässt eine große Lücke.

Für Karl
Auf Wiedersehen mein Freund
Wir vermissen Dich!

Sabrina (Text & Bilder) und Mika