Eigentümerin: Sabrina Rütschlin
geboren: Juni 2004
Tag der Übernahme: 7. September 2004
erworben von: Zoohandlung
gestorben:
Rasse: Zwergwidder
Farbe: schwarzbunt
kastriert: ja
Gewicht (Durchschnitt): 2,3 kg

Seit 2 Jahren war ich nun schon Kaninchenbesitzerin und Karl wohnte allein bei mir. Ich hatte grad mein Staatsexamen am Vortag geschafft und war auf dem Weg in die Zoohandlung um Leckereien für Karl zu kaufen. Dort sah ich mir wie immer die kleinen Kaninchen im Gehege an und plötzlich kam mir die Idee Karl Gesellschaft zu besorgen, da ich nach dem Staatsexamen wieder weniger Zeit für ihn haben würde. Mitten im Gehege lag ein kleines schwarzbuntes Widderchen, sah sehr gelangweilt aus und ignorierte mich hartnäckig, während alle anderen Kaninchen neugierig angehoppelt kamen. Da ich Widderkaninchen schon immer sehr niedlich fand und für Karl, der ohnehin sehr erfindungsreich und anstrengend war, nur eine deutlich ruhigere Gesellschaft in Frage kam, war ein Widder wohl ideal. Ich kannte ja Rudi, den Widder von meinem Bruder und den fand ich einfach super.
Also war klar, wenn Gesellschaft, dann Widder. Ich bat also den Besitzer der Zoohandlung das kleine Widderchen, das mir mittlerweile das Hinterteil zugedreht hatte, raus zunehmen, um Geschlecht und Zahnstatus festzustellen. Er teilte mir mit, Zähne sähen gut aus, der große schwarze Widder sei übrigens die Mutter und die hätte gute Zähne und das kleine Kaninchen auf seinem Arm sei ein Rammler. Wider aller Ratschläge, dass sich zwei Rammler auf keinen Fall vertragen würden, nahm ich also das Kaninchen mit. Es bekam den Namen Mika, nach einem früheren Formel 1 Fahrer. Daheim angekommen, erwartete ich heftigen Zoff, aber gar nichts passierte. Karl begrüßte den Neuling kurz und widmete sich dann wieder seinen Beschäftigungen. Was bedeutete, dass er entweder schlief oder irgendwas kaputt machte. Der Neuankömmling hingegen, saß im Käfig und futterte erstmal 'ne Runde Heu auf den Schreck. Beide verstanden sich von Anfang an sehr gut und ich dachte hämisch grinsend, dass sich zwei Rammler sehr wohl verstehen würden. Als Mika dann allerdings geschlechtsreif wurde, begann „er“ Karl doch recht übel zu nerven. Dauernd versuchte „er“ aufzureiten. Ich entschloss mich also, Mika kastrieren zu lassen. Der Termin war gemacht, einige Tage vorher nahm ich Mika auf den Arm und begann mich sehr zu wundern. Ich suchte vergeblich in dem dicken Pelz die männlichen Geschlechtsmerkmale. Irgendwie sah das anders aus, als bei Karl vor der Kastration. Langsam dämmerte es mir: ich hatte eine Häsin auf dem Arm! Darum gab es auch keine Streitigkeiten. Karl hatte das natürlich von Anfang an gemerkt. Da Mika glücklicherweise auch ein Frauenname ist (Abkürzung von Mikaela) wurde der Name belassen und das Kaninchen von der Kastration verschont. Im Laufe der Zeit allerdings entwickelte die Häsin einen regelrechten Nestbauwahn. Überall in der Wohnung fand ich Heunester (im Bücherregal, unter der Heizung, hinterm CD Ständer ...) und die ganze Nacht konnte man das Kratzen der Krallen auf dem Käfigboden hören. Sowohl mir, als auch Karl ging das gewaltig auf die Nerven. Zuerst schaute er sich das noch belustigt an und snackte nebenher von dem Heunest, das die Häsin gerade am Bauen war. Irgendwann kam Mika aber auf die tolle Idee, dass zur Polsterung des Nestes nicht der eigene Pelz, sondern Karls Fell herangezogen werden könnte. So pirschte sie sich immer an, wenn er friedlich auf dem Teppich schlief und rupfte ihm das Fell aus. Erschrocken verjagte er sie sofort. Aber ab da hatte er keine ruhige Minute mehr. Kaum hatte er sich hingelegt, kam Mika angeschlichen um für neues Nestmaterial zu sorgen.
Außerdem ging dieser Tick auch der Häsin an die Substanz. Tag und Nacht verbrachte sie mit Bauen und Buddeln und war dementsprechend erschöpft. Karls Laune war deutlich im Keller. Kein Wunder, wenn er nirgendwo mehr friedlich sein Nickerchen machen konnte. Immer öfter lag er auf dem Stuhl am Esstisch, weil er dort vor Mika sicher war. Also entschied ich mich für eine Kastration. Bei Häsinnen ein größerer Eingriff, den Mika aber ohne Probleme überstand. Sie bekam eine Plastikglocke um den Hals, damit sie nicht an den Fäden am Bauch knabberte. Hier hatte ich allerdings nicht mit Karl gerechnet, der ihr die Glocke auszog, das Plastik zernagte und zu guter Letzt einen Tag vorm Termin beim Tierarzt einen der Fäden rauszupfte.

Mika ist ein typisches Widderkaninchen, einfach nicht die hellste :-) Ich hatte gehofft, dass Karl durch die Gesellschaft etwas von seinem Tatendrang verlieren würde, aber weit gefehlt. Mika machte bereitwillig jeden Blödsinn mit. Sie lernte recht schnell wie man den Fressnapf im Käfig herumwarf damit es laut schepperte, versuchte an den Gitterstäben zu rotteln und machte sich mit voller Begeisterung daran meinen Teppich zu töten. Da ich für sie immer nur der Futterbringer war, hatte sie wenig Bezug zu mir.
Sie war von daher etwas scheu, aber umso neugieriger. Oft konnte sie sich nicht entscheiden, ob sie lieber davonrennen sollte oder doch der brennenden Neugierde nachgibt. Karl nahm ihr die Entscheidung ab und sie konnte in aller Ruhe hinter ihm geschützt, die Situation erkunden. So schlichen immer zwei Hasen durch die Wohnung, Karl voraus mit Mika im Schlepptau, immer auf der Suche nach der nächsten Gelegenheit Unsinn anzustellen.

Ab und an passierte es doch, dass die kleine Häsin allen Mut zusammen nahm und eigene Unternehmungen startete. So erwischte ich sie mal auf der Heizung (dorthin war sie wohl über die Lautsprecherboxen neben dran gelangt), wie sie dabei war, meine Blumen auf der Fensterbank zu zerfleddern. Das war aber so ziemlich das einzige Mal, dass sie ihrer Zerstörungswut freien Lauf ließ. Auch heute macht sie erstaunlich wenig kaputt und nagt auch nichts an.

Am 13. August 2006 starb Karl unerwartet im Alter von nur 4 Jahren (siehe Bericht Karl). Er starb in seinem Käfig, Mika saß neben ihm. Sie war unheimlich verstört und als ich ihn tot aus dem Käfig nahm, um ihn auf ein Handtuch aufs zu Bett legen (der einzige Ort wo der große Hase ausgestreckt liegen konnte), suchte sie ihn in der ganzen Wohnung. Schließlich sprang sie aufs Bett, was sie zuvor noch nie getan hatte, weil sie sich nicht traute, und stupste ihren toten Freund immer wieder an. Sie verstand nicht, dass Karl nie wieder kommen würde. Eine Szene, die mir fast das Herz brach. In den nächsten Tagen suchte sie Karl permanent in der Wohnung. Sie trauerte genauso wie ich um ihren Freund und saß meistens verstört in der Ecke auf dem Teppich, wo beide immer gekuschelt hatten.
Bis sie sich schließlich unter meinem Futonbett verkrochen hatte und allerhöchsten zum Fressen wieder auftauchte. Zum Glück vergessen Kaninchen schneller als Menschen und aus meiner kleinen ängstlichen Häsin wurde eine richtige Diva. Als Mika begriff, dass sie jetzt der Chef-Hase in der Wohnung war, wurde man von dem kleinen Kaninchen, das vorher nie gewagt hätte einen anzufauchen, gnadenlos angemotzt, wenn man etwas tat, was ihr nicht passte. Lief man zu nahe an ihrem Schlafplatz vorbei (den sie nun komplett unter mein Bett verlagert hatte), kam sie angeschossen und motzte einen an. Ebenso; wenn man nach ihrem Gefühl zu spät mit dem Futter dran war. Sie saß dann vor sich hin knurrend bereits im Käfig und wartete. Bevor sich ihre Allüren noch verschlimmerten, beschloss ich also, ihr einen neuen Freund zu besorgen. Am 18. September 2006 war es also soweit. Hamilton zog bei uns ein. Wie die ersten Tage mit dem neuen Gefährten verliefen, gibt’s in Hamiltons Bericht.

Bis heute ist Mika deutlich zutraulicher geworden, kommt gerne mal vorbei um mir Hallo zu sagen, wenn ich auf dem Boden sitze und natürlich um zu schauen, ob nicht vielleicht ein Leckerbissen für sie abspringen könnte. Sie ist ganz nach Widder-Manier nicht das klügste und auch nicht das aktivste Kaninchen, einfach ein bisschen gemütlicher. Dafür kann man sie aber bedenkenlos in der Wohnung allein hoppeln lassen, ohne dass sie etwas anstellt. Ob sie in Hamilton einen neuen Freund gefunden hat, mit dem man wieder bedenkenlos Blödsinn anstellen kann, wird sich noch zeigen. Momentan kuschelt sie mit ihm und scheint froh über die neue Gesellschaft zu sein.

Sabrina Rütschlin (Text & Bilder)