Wenn es mal wieder nicht nach Arabesques Willen geht, kann sie recht rabiat werden: sie schimpft, nagt wahllos an Gegenständen oder greift mich sogar an. Aber auch wenn sie übermütig ist oder ihr einfach nur langweilig ist, vergreift sie sich an Dingen, die eigentlich tabu sind. Anfangs half noch ein lautes »Nein!« oder ein Verscheuchen mit der Hand. Letzteres richtete allerdings ihren Unmut direkt gegen mich, was das ein um's andere Mal Kratzer oder Bissspuren auf meinen Händen zur Folge hatte. Mein Tierarzt riet mir bei solchem Verhalten dem Kaninchen »eins mit der Wasserpistole zwischen die Augen zu geben« (O-Ton), wobei das »zwischen die Augen« natürlich nicht wörtlich zu nehmen ist. Wichtig dabei ist, dass der »Abschuss« unmittelbar mit der Tat erfolgen muss, da sonst das Tier Ursache (verbotene Aktion) und Wirkung (unangenehmes Nass) nicht miteinander in Zusammenhang bringen kann.

Wasserspritzpistole Da ich keine Wasserpistole mein Eigen nennen konnte, machte ich mich auf zum Toys-R-Us und hab mich nach einem geeigneten Gerät umgeschaut. Zu meiner Überraschung stellte ich fest, dass man für solch Spielzeug ziemlich viel Geld liegen lassen kann: da gab es ein Modell für 100 € (Mai 2004)! Auch vermisste ich die kleinen handlichen Pistolen, die ich aus meiner Kindheit kannte; es gab nur die futuristisch anmutenden Super Soaker. Nach den Warnhinweisen, dass man nicht in die Augen und das Gesicht spritzen sollte, habe ich mich mal entgegen meiner sonstigen Einstellung nicht für das Mehr-Power-Modell entschieden, sondern für ein kleineres. Genau genommen war es das zweitkleinste Modell – beim kleinsten erschien mir der Tank nicht ausreichend groß genug. Nach einigen Tests waren meine anfänglichen Bedenken bezüglich des hohen Drucks beseitigt, da durch die remote-Anwendung (sprich der Distanz zwischen mir und der Kleinen) der Strahl beim Treffen schon am streuen war. Außerdem kann der Druck reguliert werden, indem man nicht ganz so viel Luft in den Wassertank pumpt. Nachträglich muss ich sogar zugeben, dass für manche Distanzschüsse der Druck sogar unzureichend ist, weshalb ich mich dann auch, als der Tank des ersten Modells irreparabel undicht geworden war und damit eine neue Anschaffung anstand, für das nächst größere Exemplar entschieden habe (vgl. obige Abbildung).

Wie sich herausstellte, war das Ganze ein sehr wirkungsvolles Vorgehen, dass seinen Zweck erfüllte. Auch von einer Bekannten erfuhr ich nachträglich, dass sie die Methode mit der Wasserpistole bei ihrer Katze erfolgreich anwendet. Angenehmer Nebeneffekt war zudem, dass sich der Unmut des Kaninchens jetzt nicht mehr gegen mich richtete. Vielmehr war es danach damit beschäftigt, sich zu putzen und trocken zu lecken. Interessant war auch zu beobachten, dass das Tier schon nach kurzer Zeit den Zusammenhang erkannte: teilweise brauchte ich nicht einmal mehr abzudrücken: es reichte schon das Geräusch aus, welches die Wasserpistole beim in die Hand nehmen machte, und die Kaninchendame lies beispielsweise von dem Vorhang ab und suchte das Weite. Das Klappern mit der Pistole, ohne dass sie etwas verbotenes machte, führte nicht zu dieser Reaktion.

Da Kaninchen sehr anfällig gegen Temperaturschwankungen sind, sollte man darauf achten, das Tier nicht völlig zu durchnässen, damit es sich nicht erkältet (oder es zumindest dann gleich trocken zu reiben).