Mitte 2006 hatten wir bei unserem Doppelpünktchen eine Auffälligkeit beim Gehen festgestellt: es lahmte mit dem rechten Hinterlauf, konnte nicht mehr mit dem Bein auftreten und zog das Bein an. Dies ist ein deutliches Zeichen, dass dem Tier das Bein schmerzt. Gründe dafür können sein, dass es sich beispielsweise eine Kralle abgebrochen hat (was schon mal vorkommen kann) oder sich das Bein verstaucht hat. Beim genaueren Hinschauen habe ich allerdings festgestellt, dass die Hüfte irgendwie "verschoben" war, so dass ich schon rein gefühlsmäßig den Verdacht hatte – obwohl ich keinerlei medizinische Ausbildung habe –, dass das Tier sich sein Bein ausgekugelt hatte (in der Fachsprache nennt man das Hüftluxation). Eine Untersuchung in der Tierklinik bestätigte dies: auf nebenstehendem Röntgenbild ist deutlich zu sehen, wie der Gelenkkopf des rechten Hinterbeins aus der rechten Gelenkpfanne der Hüfte gesprungen ist (Aufnahme zeigt das Kaninchen von oben). Ein weiteres Röntgenbild von der Seite zeigt auch, wie der rechte Gelenkkopf mit dem Oberschenkel deutlich über die Hüfte hinausragt; zum Vergleich beachte man auf dem Bild auch das gesunde Bein.

Wie unser Doppelpünktchen das geschaft hat, ist uns ein Rätsel, meinte der Tierarzt doch, dass es dazu einer größeren Krafteinwirkung bedarf. Wir können uns nur vorstellen, dass es irgendwo hängen geblieben ist, z.B. als die Tiere seinerzeit recht häufig auf ihren Käfigen herumgeturnt sind, vielleicht beim Herunterspringen oder beim Sprinten um die Häuschen – wir wissen es leider nicht (sonst könnte man ggf. diese Gefahrenquelle abstellen).


Das Bein einfach wieder einzurenken funktioniert nur selten, da das umliegende Gewebe meist in Mitleidenschaft gezogen ist und durch die fehlende Stabilisierung das Bein immer wieder aus dem Gelenk springen würde. Den Vorschlag, welcher der Tierarzt gemacht hatte, hat uns zuerst etwas überrascht: in solchen Fällen würde man den Gelenkkopf einfach entfernen – in der Fachsprache: eine Femurkopfresektion vornehmen. Das Problem sei ansonsten, dass der Gelenkkopf immer wieder aus der Gelenkpfanne springen würde und wie in dem seitlichen Röntgenbild zu sehen, sich über der Hüfte verhakt, was dem Kaninchen Schmerzen bereitet. Wenn der Gelenkkopf entfernt ist, kann dies nicht mehr passieren und der Oberschenkel bildet an der Schnittstelle eine Art neue Gelenkschicht wodurch der Oberschenkel lose in der Gelenkpfanne liegen kann. In der Regel kommt das Kaninchen damit ganz gut zu recht und arrangiert sich mit der neuen Situation. Er erklärte uns auch, dass z.B. bei Katzen dies das übliche Vorgehen sei, nur mit dem Unterschied, dass sich bei Katzen der Gelenkkopf nachzubilden scheint.
Auf dem linken Röntgenbild sieht man die Situation nach der Operation: deutlich kann man im Vergleich zum ersten Bild oben das Fehlen des Gelenkkopfs am Ende des rechten Oberschenkels erkennen.

Es sollte hier nicht verschwiegen werden, dass die Operation nicht ganz billig ist und man schon mehrere hundert Euro dafür einsetzen muss. Allerdings muss ich nun ein Jahr nach dem Unfall und der Operation sagen, dass es die Sache auf jedenfall Wert war, wenn wir sehen, wie gut Doppelpünktchen mit der Situation zurechtkommt. Bis auf ein leichtes Ausstellen des rechten Beins beim Laufen/Springen (um das "lose" Bein besser im Hüftgelenk zu führen) erinnert nichts mehr an den Unfall – es ist genauso aufmerksam, neugierig und mobil unterwegs wie vor dem Unfall; Anzeichen für chronische Schmerzen gibt es keine.