Rudi

* März 2002
   (Tag der Übernahme: 14.06.2003)
† 14. September 2006

Trotzdem ich mir der Tatsache bewusst war, dass Kanin-
chen es gerne gesellig haben, hatte ich Arabesque bisher als
Einzeltier gehalten. Neben dem Umstand, dass ich ihr sehr viel
Freiraum gebe und ihr auch recht viel Zeit widme, hielten mich bisher einige Bedenken vom Kauf eines zweiten Tieres ab: wird Arabesque den neuen Partner akzeptieren oder werden die zwei ständig um ihren Rang kämpfen? Bekomme ich das neue Tier auch stubenrein? Geht der Bezug zum Menschen durch den zweiten Artgenossen verloren? Bisher konnte ich auch nicht feststellen, dass es der Kaninchendame an irgendetwas mangelt.
In den letzten Wochen habe ich allerdings immer mehr den Eindruck bekommen, dass Arabesque etwas deprimiert erscheint und sich alleine vorkam. Also habe ich mich trotz meiner Bedenken dazu durchgerungen, nach einem Gefährten für die Hasendame Ausschau zu halten. Es sollte ein kastrierter Rammler aus einem Tierheim sein, vom Alter her etwas jünger als Arabesque. Im Tierschutzverein Göppingen wurde ich schließlich fündig. Die Auswahl an alleinstehenden Männchen war nicht sehr groß, aber der Zwergwidder Rudi, so sagt man mir, sei ein ganz lieber. Von der Größe her passte er auch halbwegs zu Arabesque, so dass ich kurzerhand beschloss, mit dem probier ich's.

 
 

Der erste gemeinsame Abend. Nach einer stürmischen Begrüßung waren die beiden noch ein Herz und eine Seele – hier in Arabesques Käfig. Für mich überraschend kamen keine Revierkämpfe auf, obwohl ich Rudi direkt in Arabesques Territorium gesetzt hatte (mir stand leider keinen »neutraler Boden« zur Verfügung). In der ersten Nacht haben sie sich dann aber heftig gefetzt (glücklicherweise ohne Verletzungen).

An den beiden folgenden Tagen herrschte vorsichtiges Abtasten. Während Rudi zwar sehr kontaktfreudig aber ganz der Gentleman war, hatte Arabesque etwas Angst vor der neuen Situation, obwohl Rudi sich ihr mit eindeutigen Gesten unterordnete; sie kennt nun einmal nicht das Leben in einer Gemeinschaft von Kaninchen. Die Wohnung war glücklicherweise groß genug, dass die beiden sich aus dem Weg gehen konnten.

 
 

Am dritten Abend war Arabesque zwar immer noch etwas vorsichtig, wenn sich Rudi ihr annäherte – er kam eben manchmal einfach zu stürmisch auf sie zu, um zu kuscheln –, aber es waren deutliche Fortschritte zu erkennen. Ihr Schwänzchen wackelte nicht mehr ganz so oft und sie hielt sich mehr in der Nähe von Rudi auf.

Von Anfang an fühlte sich Rudi wohl in seiner neuen Umgebung. Und die Frau vom Tierheim hatte recht: er ist wirklich ein ganz lieber.