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Kaninchen haben im Gegensatz zum Menschen ihr ganzes Leben lang nachwachsende Zähne um der Abnutzung beim Kauen und Nagen entgegenzuwirken. Das Nagen ist daher ein ganz natürlicher Drang des Tieres, um seine Zähne zu schleifen und in Form zu halten. Dieser Drang ist von Tier zu Tier unterschiedlich ausgeprägt und hängt im Wesentlichen auch davon ab, was man dem Kaninchen zum »Wetzen« anbietet. Primär erfolgt der Abrieb durch die Aufnahme von Grünfutter (insbesondere Heu). Zusätzlich sollte man auf jeden Fall im Käfig einen Nagerstein anbringen (enthält außerdem noch Mineralien). Die Abbildung rechts zeigt einen solchen Stein, nachdem Arabesque eine zehnminütige Intensivpflege ihrer Zähne durchgeführt hat (zu Beginn war der Stein fast quaderförmig und der Befestigungsdraht nicht zu sehen!). Darüber hinaus empfiehlt es sich dem Tier auch Zweige zum Knabbern anzubieten: Haselnuss, Hainbuche, Erle, Weide oder Zweige von Obstbäumen. Dennoch kann es vorkommen, dass trotz ausreichendem Nageangebot das Kaninchen sich beim Auslauf an Einrichtungsgegenständen vergreift. Einige beliebte Objekte zum Annagen sind beispielsweise (Strom-) Kabel (siehe dazu die Sicherheitstipps), geknüpfte Teppiche, Gardinen, Tapetenecken, Möbelkanten, jegliche Art von Decken und Tüchern sowie Papier. Ursache für dieses Verhalten ist oft einfach nur Neugier oder Spieltrieb, welche in der Jugend (so bis ca. 1½ Jahre) ausgeprägter zu sein scheint. Bei Arabesque habe ich manchmal auch den Eindruck, dass sie damit auf sich aufmerksam machen möchte, wenn ich mal etwas weniger Zeit für sie habe.
Selbst unter Aufsicht ist es teilweise schwierig zu verhindern, dass die Zähne sich in ein Möbelstück oder einen herumliegenden Schuh vergraben. Daher sollte man sich eigentlich schon beim Kauf des Kaninchens darüber Gedanken machen, ob man ihm aufgrund des Wertes der Einrichtung genügend Auslauf bieten kann. Kahle Stellen im geliebten Perserteppich oder Bissspuren am antiken Mahagonisekretär sind eher kontraproduktiv zum Aufbau einer innigen Beziehung.
Erwische ich mein Kaninchen auf frischer Tat beim Nagen an Dingen, die eigentlich tabu sein sollten, weise ich es mit einem lauten und strengen »Nein!« zurecht. Frau Wegler meint dazu in ihrem Buch »Manche Kaninchen lernen die Zurechtweisung mit ihrer Tat in Verbindung zu bringen. Ein dauerhafter Erziehungserfolg ist jedoch selten zu erreichen.« Bei Antimonit hatte es geklappt: ihn konnte ich manchmal sogar mehrere Stunden unbeaufsichtigt lassen, ohne dass er etwas angestellt hatte. Mal sehen, wie sich Arabesque entwickelt, obwohl ich bei ihr schon mittlerweile zu anderen Erziehungsmitteln greifen musste.
Die beiden letzten Bilder zeigen, dass die Nager mit ihren Werkzeugen nicht nur gegen die Einrichtung vorgehen. Obwohl Kaninchen an sich Fluchttiere sind, kann es schon mal vorkommen, dass man angegriffen wird (wenn man beispielsweise im Käfig herumhantiert, während das Kaninchen noch drin sitzt). Durch die scharfen Zähne können die Bisse teilweise recht tiefe Wunden verursachen. Trotz des Schrecks und Schmerzes sollte man das Tier aber nicht schlagen, da in aller Regel der Angriff nicht aus Bösartigkeit erfolgt ist: das Tier hat sich nur bedroht gefühlt und wollte sich seinem Instinkt folgend verteidigen. Das nächste Mal sollte man sich dem Kaninchen mit den Händen vielleicht etwas ruhiger näheren.
Die rechte der oben abgebildeten Bisswunden kam zustande, als ich zwei sich fremde Kaninchen zusammen in der Wohnung rausgelassen hatte und dazwischen gehen musste, weil sie aufeinander los gingen. Der Biss war so fest, dass das Tier im ersten Moment noch am Arm hing, als ich diesen wegzog.
¹ Nur bevor jetzt wieder jemand in das Gästebuch einträgt, dass Kaninchen keine Nager sind: mir ist bekannt, dass Kaninchen zu den hasenartigen Tieren gehören. Die Verwendung des Begriffs erfolgt hier auch nicht so sehr im tierkundlichen Sinne, sondern eher im verhaltensmäßigen (so wie »Kläffer« oder »Schmuserchen« ).
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