Bei der Betreuung von Seminar- und Diplomarbeiten, sind mir immer wiederkehrende Fehler – oder sagen wir lieber »Unschönheiten« – aufgefallen, die hier zu Beachtung einmal aufgeführt werden sollen.

Leerzeichen
Leerzeichen zwischen den Wörtern können auf drei Arten gesetzt werden: entweder implizit durch die Eingabe eines Leerzeichens im Editor (Zeilenumbruch zwischen den Wörtern möglich), explizit durch den Befehl (insbesondere dann von Bedeutung wenn am Ende eines Makros das Leerzeichen im Editor nicht nur als Makroende-Kennzeichnung fungieren soll; vgl. unten), oder durch die Tilde ~, welche einen Zeilenumbruch zwischen den beiden damit verbundenen Wörtern verhindert (sinnvoll beispielsweise bei der Angabe von Maßeinheiten [5~m], Währungen [3,50~DM] oder auch Wendungen wie Abbildung~2).
Binde-/Gedankenstriche
Es gibt drei zu unterscheidende Satzzeichen die auch entsprechend verwendet werden sollten: (1) der Trenn- oder Bindestrich -, welcher zur Trennung am Zeilenende oder zwischen Zusammengesetzten Wörtern verwendet wird; (2) der Gedankenstrich -- für Satzeinschübe; (3) der doppelte Gedankenstrich ---, welcher im Deutschen nicht vorkommt (Anmerkung: im Englischen wird er ohne Zwischenraum direkt an den Text gesetzt: Moreover the input/output functionality---which essentially is a routing of parameters only---could be extended.)
Umlaute

Mit dem Paket inputenc kann der Zeichensatz der Quellcode-Datei festgelegt werden (input encoding). Durch die Wahl der Option latin1 ist es damit möglich, Umlaute direkt einzugeben.

\documentclass{article}
\usepackage[latin1]{inputenc}
\usepackage[german]{babel}
  ...
\begin{document}
  Umlaute ä ö ü ß direkt anstatt durch \"a \"o \"u \ss\ oder "a "o "u "s.
\end{document}
Makrogrenzen
Im Quelltext trifft man Makros häufig in der Art an:

Mit einem lauten \glqq Mir reichts\grqq verließ sie den Raum.

was dann nach dem Übersetzen allerdings so aussieht:

Mit einem lauten »Mir reichts«verließ sie den Raum.

Das fehlende Leerzeichen nach dem schließenden Anführungszeichen rührt daher, dass das Leerzeichen hinter \grqq nicht als Leerzeichen, sondern als Makro-Ende-Zeichen interpretiert wird. Diese Besonderheit tritt nur bei einem auf ein Makro ohne Parameter folgendes Leerzeichen auf (würde direkt ein anderes Satzzeichen wie beispielsweise ein Punkt folgen, so würde dieses auch gesetzt werden). Zur Abhilfe sollte man entweder explizit ein Leerzeichen eingeben (... reichts\grqq\ verließ ...), oder das leere Argument anhängen (... reichts\grqq{} verließ ...), oder aber man verwendet das Paket xspace, welches der LaTeX-Distribution beiliegt und das automatisch dieses Problem korrigiert und ein Leerzeichen einfügt.
Abkürzungen
Bei abgekürzten Worten, die am Ende einen Punkt haben (also keine Akronyme), sollte man ebenfalls explizit ein Leerzeichen setzen: Der sog.\ Retter ging tatenlos vorbei.
Bei mehrteiligen Abkürzungen ist (gemäß DUDEN) ein kleiner Abstand zwischen den Bestandteilen zu setzen: So war z.\,B.\ das Wasser nicht mehr sauber.

Rainer Keller hat mir freundlicherweise ein kleines UNIX-Skript zur Verfügung gestellt, mit dem man gängige Abkürzungen in einem Dokument (i.allg. u.a. d.h. z.B. z.Z. bzw. engl. evtl. opt.) in die für LaTeX erforderliche Schreibweise ändern kann. Das Skript ist recht übersichtlich gehalten, so dass man ganz einfach (in Zeile 2 und 3) die zu berücksichtigenden Abkürzungen auch selbst erweitern kann. Nicht ganz korrekte Abkürzungen wie d.\,h. (Backslash fehlt am Ende) werden allerdings nicht korrigiert.

Auslassungspunkte
Oft werden für die drei obligatorischen Punkte bei Textauslassungen im Quelltext auch einfach nur drei aufeinanderfolgende Punkte eingegeben, welche dann allerdings im Textsatz aufgrund der dort normalerweise verwendeten Proportionalschrift sehr gedrängt wirken. Daher sollte man besser das Makro \ldots verwenden, welches zwischen die Punkte noch zusätzlichen Leerraum einfügt.
Anführungszeichen
Anführungszeichen sollten nach Möglichkeit typografisch korrekt gesetzt werden, d.h. im deutschen befindet sich das linke Anführungszeichen unten. Die Verwendung von " sollte daher im Quelltext vermieden werden, zumal in LaTeX, insbesondere bei der Verwendung des babel-Paketes dem Zeichen eine besondere Bedeutung zukommt. Das eben angesprochene Paket bietet mit der german-Option auch einige Makros zur Gestaltung der deutschen Anführungszeichen an:
\glq einfaches deutsches Anführungszeichen links (unten)
\grq einfaches deutsches Anführungszeichen rechts (oben)
\glqq (doppeltes) deutsches Anführungszeichen links (unten)
\grqq (doppeltes) deutsches Anführungszeichen rechts (oben)

Insbesondere bei der Verwendung der schließenden Anführungszeichen ist der Hinweis über die Makrogrenzen zu beachten. In dem Paket jrbase habe ich mir zusätzlich noch die beiden Makros \gq{} und \gqq{} definiert, bei denen der anzuführende Text als Argument übergeben werden kann (spart ein bißchen Schreibarbeit).

Tastatur

Im englischen werden die Anführungszeichen korrekt wie folgt gesetzt (jeweils immer oben; nebenstehende Abbildung zeigt die dafür zu verwendenden Tasten auf einer deutschen Tastatur):

` einfaches englisches Anführungszeichen links
' einfaches englisches Anführungszeichen rechts
`` (doppeltes) englisches Anführungszeichen links
'' (doppeltes) englisches Anführungszeichen rechts

Analog zu den deutschen Anführungszeichen gibt es auch für die englischen eine einfachere Makrovariante im jrbase-Paket: \eq{} und \eqq{}.

Trennung
Trennvorschläge innerhalb eines Wortes kann man mit \- geben; besser ist allerdings unter der Verwendung des Pakets german oder babel das Makro \". Bei den beiden Makros ist zu beachten, dass die automatische Trennung innerhalb des Wortes ab dem Makro ausgesetzt wird, d.h. man muss alle möglichen Trennungen für den Rest des Wortes von Hand eingeben (sofern weitere Trennmöglichkeiten überhaupt gewünscht sind). Soll ein Wort gar nicht getrennt werden, ist es am einfachsten, dieses innerhalb einer hbox zu setzen: \hbox{ungetrennt}.
Ligaturen
TeX verwendet für seinen Textsatz die noch aus den Anfängen des Buchdrucks stammenden »Ligaturen«, d.h. beim Auftreten der Buchstabenkombinationen ff, fi, fl, ffi und ffl werden die einzelnen Buchstaben zu einer neuen Zeichenkombination zusammengezogen. Ein solches Zusammenziehen tritt auch bei Kombinationen wie AV auf (Unterschneidung). Dieses Vorgehen hängt mit dem Umstand zusammen, dass die Lesbarkeit (und Ästhetik) einer Schriftart erhöht wird, wenn das Schriftbild eine gleichmäßige Schwarz-Weiß-Verteilung aufweist. Dies wird durch die Bildung von Ligaturen und Unterschneidungen bei den Buchstaben erreicht, bei deren Aufeinandertreffen unverhältnismäßig viel weißer Zwischenraum entstehen würde.
Um das Zusammenziehen von solchen Buchstabenkombinationen zu unterbinden, kann der Befehl \/ zwischen den Zeichen eingefügt werden.*) Dies muss insbesondere dann erfolgen, wenn es sich bei den Buchstabenkombinationen um keine Ligaturen handelt, was häufig bei zusammengesetzten Wörtern der Fall ist (vgl. die dritte Zeile unten). Als Faustregel gilt, dass es sich um keine Ligatur handel, wenn zwischen den Buchstaben getrennt werden kann.

ff, fi, fl, ffi, ffl
A\/V bzw. AV
Stoff\/lappen anstatt Stofflappen

*) Bei der Verwendung der Pakete german oder babel (mit german-Option) kann dies auch mit dem Befehl "| erfolgen, wodurch die Trennung im Rest des Wortes weiterhin berücksichtigt wird.