Ein Arbeitskollege fragte mich mal nach der Möglichkeit, für seine Bewerbung gescannte Zeugnisse ganzseitig in ein LaTeX-Dokument (PDF-LaTeX) zu übernehmen, also ohne den obligatorischen weißen Rand um den Textkörper. Dazu habe ich ein kleines Paket geschrieben, welches den Befehl \includegraphicsfullpage definiert. Es basiert auf dem graphicx-Paket und nutzt dessen includegraphics-Befehl.

\NeedsTeXFormat{LaTeX2e}
\ProvidesPackage{fullpagegraphic}
\RequirePackage{graphicx}
\newcommand{\includegraphicsfullpage}[1]{%
  \newpage
  \bgroup
  \thispagestyle{empty}%
  \hoffset=-1in
  \voffset=-1in
  \topmargin=0pt
  \headheight=0pt
  \headsep=0pt
  \hsize=\paperwidth
  \@colht\paperheight
  \evensidemargin=0pt
  \oddsidemargin=0pt
  \parskip=0pt
  \parindent=0pt
  \includegraphics[width=\paperwidth,height=\paperheight]{#1}
  \newpage
  \egroup}
\endinput

Das Makro ist relativ einfach: es setzt alle um den Textkörper befindlichen Satzspiegel-Längen auf 0 und erweitert den Textkörper auf das ganze Blatt (\paperwidth und \paperheight). Als Besonderheit bei der Definition des Makros war zu beachten, dass TeX eine Seite standardmäßig immer 1 inch von oben und links beginnt, so dass \hoffset und \voffset nicht nur auf 0 sondern auf den äquivalenten negativen Wert gesetzt werden müssen. Anstatt von \textwidth wirkt sich während des Dokuments nur die Länge \hsize auf die Breite aus, und anstelle von \textheight ist \@colht zu verwenden (wird normalerweise während der Bearbeitung von \begin{document} auf \textheight gesetzt). Wie auch schon bei den verbreitertern Randnotizen ist hier wichtig, dass die Gruppierung mit der lokalen Überschreibung des Satzspiegels erst nach dem newpage-Befehl geschlossen wird, da TeX eine komplette Seite erst nach einem Seitenumbruch mit den aktuellen Registereinstellungen setzt.

Die Nutzung des Befehls innerhalb eines LaTeX-Dokuments sieht dann wie folgt aus:

  ...
\usepackage{fullpagegraphic}
  ...
\begin{document}
    ...
  \includegraphicsfullpage{diplom}
    ...
\end{document}

Als Parameter wird lediglich der Name einer Grafik erwartet; sie wird automatisch auf die Größe von \paperwidth und \paperheight skaliert. Der Pfad und die Dateierweiterung der Grafik werden normalerweise über die Parameter \DeclareGraphicsExtension und \graphicspath des graphicx-Paketes gesetzt (vgl. Beschreibung zur Einbindung von Grafiken mit PDF-LaTeX).

Für den Fall, dass man PDF-LaTeX verwendet und die ganzseitige Grafik bereits als PDF-Dokument vorliegen hat, kann man auch das Paket pdfpages verwenden (vgl. Beschreibung weiter oben).